Wer Superlative vermeidet, erziehlt mehr Wirkung

Es ist kein Geheimnis, dass ich nicht viel von Superlativen halte. Die Steigerungsformen sind oft Ausdruck buchstäblich übersteigerter Vorstellungen von der Wirkung eines Textes. Er wird nicht besser, weil wir ihn den „besten“ nennen. Er wird oft nicht einmal gut. Mitunter sind Steigerungsstufen sogar widersinnig.

Warum Sie Superlative vermeiden sollten

In Werbetexten, Pressemitteilungen und Reden werden uns gern „die verschiedensten“ Dinge versprochen. Das ist natürlich Unfug, denn entweder ist etwas verschieden, also unterscheidbar, oder nicht. Die „unterschiedlichsten“ Umstände können wir uns folglich auch sparen. Leider haben sich falsche Superlative selbst in unsere Alltagssprache eingeschlichen. Das macht es uns schwer, dagegen anzuschreiben.

Steigerungsformen setzen generell eine Vergleichbarkeit voraus: „Susi läuft schnell. Hanna läuft schneller als Susi, aber Janine läuft am schnellsten.“ Laut Grammatik kann ein Adjektiv im Positiv (Grundform), im Komparativ (erste Steigerungsform) und im Superlativ (allerallerhöchste Steigerungsform) auftreten. Warum die mittlere Variante vom Aussterben bedroht ist, oder Werbe- und PR-Texter oft meinen, die Grundform sei nicht gut genug und es müsse doch irgendwie besser oder am besten sein, ist mir ein Rätsel. Ihre Rede, Ihre Pressemitteilung und selbst Ihr Werbespruch werden jedenfalls auch im Positiv eine starke Wirkung haben – wenn nicht gar eine stärkere als mit dem Superlativ.

Hier also die allerbesten Tipps für die überzeugendsten Texte, die die Welt je gesehen hat!

Starke Texte ohne Superlativ

Ein paar widersinnige Steigerungsformen habe ich für Sie notiert. Ich freue mich über Ergänzungen! Oft merken Sie übrigens durch eine Probe mit dem Komparativ, dass da irgendetwas nicht stimmt. „Verschiedenere“ Dinge lassen sich nicht anpreisen! Auch das Gegenteil hilft uns zu verstehen, wann eine Steigerungsform absurd ist. So kann etwas sinnvoll oder unsinnig sein. Dazwischen ist nichts. Hier wird sich Widerspruch regen, denn eine Wortmeldung kann beispielsweise unsinniger sein als die davor. In vielen Texten fehlt aber genau diese Vergleichsebene. Viele Adjektive lassen sich nur bei Kenntnis des Maßstabs vergleichen und somit steigern.

Die folgenden Beispiele habe ich in Wortgruppen aufgeführt, wie sie uns im Medienalltag tatsächlich(st) begegnen. Einige empfehle ich, vollständig(st) zu streichen.

Unsinnige Steigerungsformen

Formulierungen, die Sie besser vermeiden und eine jeweils bessere Formulierung finden sollten:

  • vollste Zufriedenheit = zufrieden
  • verschiedenste Vorschläge = eine Reihe von Vorschlägen
  • unterschiedlichste Varianten =  unterschiedliche Varianten
  • nachdrücklichst hinweisen = deutlich hinweisen
  • optimalste Lösung = gute Lösung
  • sinnvollste Variante = sinnvolle Variante
  • in vielfältigster Weise = vielfältig
  • widersprüchlichste Aussagen = widersprüchliche Aussagen
  • herzlichst willkommen = Willkommen
  • reichhaltigstes Angebot = reichhaltiges Angebot
  • verbindlichsten Dank = Danke

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