Fallbeispiel: Impulse für die Gartenstadt Erika

Das Wort Niedergang steht gleich drei Mal im Wikipedia-Eintrag zur „Gartenstadt Erika“ in Laubusch. Dieser Ort in der Lausitz hat viel verloren: Die Brikettfabrik als Arbeitgeber, viele Einwohner und längst auch Wohnhäuser. Am Markt gibt es keinen Laden mehr. Was im Kulturhaus regelmäßig stattfindet, sind Blutspenden. Die beiden Kneipen sind schon lange Geschichte.

Als wir 2019 mit der Stadt Lauta 415.000 Euro Preisgeld im Simul+ Wettbewerb „Ideen für den ländlichen Raum“ für die Idee eines Mitmachprojektes bekamen, waren die Erwartungen hoch. Würde deshalb jemand ein Geschäft eröffnen? Kommt so wieder Leben ins Kulturhaus? Für neue Häuser würde das Geld nicht reichen. Was wir schaffen konnten, war die Rahmenbedingungen zu verbessern und die Bürgerschaft bei der Planung mitzunehmen.

Fünf wichtige Erkenntnisse aus drei Jahren Projektarbeit:

  1. Ideen gibt es viele. „Man müsste mal…“, heißt es oft in meinen Workshops. Die Frage, was wir können, ist aber wichtiger. Nur so wird aus Ideen ein kreativer Prozess zur Problemlösung. Wir haben sehr intensiv mit der Stadt Lauta gearbeitet und so unter anderem die Grundlagen für Neubau auf Abrissflächen geschaffen.
  2. Die Bereitschaft zum Mitmachen ist begrenzt. Gewerberinge, Ortsvereine und andere Initiativen scheitern mitunter, weil „nicht alle mitmachen“. Diese Erwartung ist falsch! Beharrlichkeit und Geduld zahlen sich aus. Dabei sind Aktivisten zunächst auf sich selbst angewiesen. Wenn sie die Tür konsequent offen halten für Nachzügler, dann haben sie Aussicht auf Erfolg.
  3. Eine fundierte Analyse ist unerlässlich. Wir haben in zwei Sommersemestern mit Hochschulen und Studierenden geforscht, welche Konzepte zu Laubusch passen. Zwangsläufig geht das nur in engem Austausch mit den Einwohnern, die wir so systematisch einbeziehen konnten. Aktiver Pressearbeit regte die Diskussion zur Zukunft des Ortes auf allen kommunalen Ebenen an.
  4. Erst von außen betrachtet werden Potenziale sichtbar. So halfen Studentinnen des Fachbereichs Stadtumbau der TU Kaiserslautern dabei, das Kulturhaus als „Dritten Ort“ zu sehen – ein Fachbegriff für Räume der Begegnung und des Miteinanders. Die Herausforderung heißt weiterhin Kostendeckung. Dafür braucht es viele Nutzer. Ein Jugendclub zieht gerade ein.
  5. Feiern sind die besseren Konferenzen. Kreative Arbeit und Planung müssen erlebbar sein, um wertgeschätzt zu werden. Dafür muss auch mal gefeiert werden. Das schafft Gelegenheit zum Austausch mit allen.

Mehr zum Projekt Lausitzer Gartenstadt 2030 gibt es auf der Projekt-Webseite www.erika.jetzt